Zöliakie: Eine unterschätzte Darmerkrankung

Zöliakie Titelbild

Zöliakie ist eine häufig verbreitete Nahrungsmittelunverträglichkeit, bei der ziemlich schwerwiegende Gesundheitsprobleme möglich sind. Sie trifft etwa 1 von 120 Personen und kann in jedem Lebensalter auftreten, wobei sie in 2 Lebensphasen besonders aggressiv sein kann. Die erste Phase beginnt häufig im Säuglingsalter, während der Umstellung von Muttermilch auf feste Nahrung, die zweite entwickelt sich im 4. Lebensjahrzehnt. Dass jemand ein höheres Risiko für eine Unverträglichkeit hat, liegt oftmals an unseren Genen. 95% der Glutenunverträglichkeiten werden durch einen vererbten Gendefekt in zwei bestimmten Genen, die an der Funktion des Immunsystem beteiligt sind, ausgelöst.

Zöliakie oder Glutenunverträglichkeit – ja was nun?

Unverträglichkeit ist nicht gleich Unverträglichkeit. Wenn Menschen davon sprechen, dass sie Gluten nicht vertragen, lässt das viel Interpretationsspielraum. Denn, was viele nicht wissen, Glutenunverträglichkeit ist ein Überbegriff, welcher das zugrundeliegende Problem benennt. Vertragen Menschen keine glutenhaltigen Lebensmittel, reagiert der Körper mit bestimmten Symptomen. Wie sich die Unverträglichkeit auf den Körper auswirkt, hängt von der jeweiligen Erkrankung ab. Zu den glutenbedingten Erkrankungen zählen die Zöliakie, Gluten-Sensitivität und Weizenallergie. Die Differenzierung dieser drei Begriffe ist für die effektive Behandlung besonders wichtig. 

Zöliakie vs. Glutensensitivität
Zöliakie und Weizenallergie

Zöliakie – Autoimmunerkrankung mit Folgen

Im Gegensatz zur Weizenallergie und der Gluten-Sensitivität handelt es sich bei der Zöliakie um eine Autoimmunerkrankung, d. h. das Immunsystem des Betroffenen greift sein eigenes Gewebe an, wenn dieser Gluten zu sich nimmt. Grund dafür ist eine fehlgeleitete Immunreaktion auf das Klebeeiweiß Gluten.

 

Zöliakie ist kein Trend, sondern eine Diagnose.
Es gibt keinen Grund, sich ohne eine diagnostizierte Zöliakie, glutenfrei zu ernähren.

Was passiert bei einer Zöliakie im Darm?

Bei der Nahrungsaufnahme macht sich der Nahrungsbrei auf den Weg in den Dünndarm, wo er in seine einzelnen Bestandteile zerlegt wird. Anschließend nimmt die Dünndarmschleimhaut die in der Nahrung enthaltenen Nährstoffe auf – So der normale Vorgang. Leidet man an entsprechender Zöliakie, kommt es beim regelmäßigen Verzehr glutenhaltiger Speisen zur Schädigung der Dünndarmschleimhaut. Die körpereigene Abwehr sieht das Gluten als Feind, Antikörper bilden sich, die dann beginnen, das Gluten sowie körpereigene Strukturen zu bekämpfen. Die Folge: Die Dünndarmschleimhaut entzündet sich. Isst man weiterhin glutenhaltige Speisen, bleibt die Entzündung bestehen und die Dünndarmzotten bilden sich zurück. Es kommt zur Verringerung der Oberfläche der Darmschleimhaut. Weniger Nährstoffe werden aus der Nahrung aufgenommen, sodass Nährstoffmängel und Folgekrankheiten auftreten können.

Symptome

Es genügt bereits ein Bissen einer glutenhaltigen Mahlzeit und die Beschwerden lassen nicht lange auf sich warten. Die Symptome können so weitläufig sein, dass sie vordergründig nichts mehr mit dem Verdauungstrakt zu tun haben. Das erschwert eine schnelle, zuverlässige Diagnose erheblich. Daher sollte bei Verdacht genauestens auf die jeweilige Symptomatik geachtet werden.

Zöliakie Symptome

Wird die Intoleranz lange nicht erkannt, und bleibt unbehandelt, können sich schwere Folgeerkrankungen wie Laktoseunverträglichkeit, Hals-Nasen-Ohren-Tumore oder Tumore im Lymphsystem entwickeln.

Gluten in der Nahrung 

 

Nach heutigem Stand der Medizin ist eine Zöliakie nicht heilbar. Die einzig wirkungsvolle Therapie ist die strenge Einhaltung einer glutenfreien Ernährung. Wenn sich Betroffene daran halten, kann sich die Darmschleimhaut vollständig regenerieren, sodass einem beschwerdefreien Leben nichts im Wege steht.

Zöliakie Lebensmittelliste

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Um die Suche zu erleichtern, haben wir im nächsten Abschnitt eine Gegenüberstellung von glutenhaltigen und glutenfreien Lebensmitteln erstellt.

Zöliakie glutenhaltige Lebensmittel
glutenhaltiges Getreide
  • Weizen
  • Dinkel
  • Roggen
  • Gerste
  • Hafer
  • Grünkern
  • Einkorn, Zweikorn (Emmer)
  • Urkorn
  • Kamut
  • Triticale
Zöliakie glutenfreie Lebensmittel
glutenfreies Getreide
  • Amaranth
  • Buchweizen
  • Quinoa
verarbeitete Lebensmittel
  • Mehl
  • Stärke
  • Grieß
  • Müsli 
  • Teigwaren
  • Gebäck / Brot
  • Mehlspeisen
  • Semmelbrösel
verarbeitete Lebensmittel
  • Tofu
  • Mozzarella
  • Wein
  • Sekt
Gluten in Fertigprodukten
  • panierte Lebensmittel (Fischstäbchen, Schnitzel, Gemüselaibchen,..)
  • stärke- und grießhaltige Desserts
  • Suppen und Saucen
  • Getreidekaffee
  • Teigwaren, welche primär aus Kartoffelstärke bestehen
    (Puffer, Gnocchi, Knödel)
  • Wurst und verarbeitete Fleischwaren
  • Frischkäse, Weichkäse
  • Milchprodukte mit Fruchtzubereitung
  • Eis
  • Knabbergebäck
  • Ketchup, Senf, etc.
  • Gewürzmischungen wie Curry und Steakgewürz
glutenfreie Lebensmittel
  • Obst 
  • Gemüse
  • Kartoffeln
  • Hülsenfrüchte
  • Nüsse
  • Milch
  • Buttermilch 
  • Naturjoghurt
  • Topfen
  • unverarbeiteter Käse
  • Eier
  • Fleisch
  • Fisch und Meeresfrüchte
  • Gewürze und Kräuter
  • Pflanzenöle
  • Zucker, Honig, Marmelade

Wie wird die Diagnose gestellt

Wenn der Verdacht einer Zöliakie besteht, ist der Weg zum Arzt unumgänglich.  Dieser wird eine Blutabnahme anordnen, welche bereits erste Hinweise liefert. Im Blut lassen sich mögliche Nährstoffmängel und Antikörper, die bei einer Zöliakie gebildet werden, erkennen. Diese Antikörper zählen zur Klasse IgA die sich gegen Gewebetransglutaminase, Gliadin und Endomysium richten. Eine endgültige Diagnosestellung erfordert eine Darmspiegelung und Gewebeprobenentnahme. Nur so lassen sich andere mögliche Erkrankungsbilder ausschließen.

Was eine Genanalyse aussagt

Eine Genanalyse gibt Aufschluss über den notwendigen Risikofaktor, der für die Entwicklung einer Zöliakie bestehen muss. Im Falle der Glutenunverträglichkeit, muss eine bestimmte Genkonstellation vorhanden sein, damit die Erkrankung überhaupt entstehen kann. Wie bereits erwähnt, lassen sich 95% der Glutenunverträglichkeiten auf unsere Gene zurückführen. Tragen Menschen keine dieser verantwortlichen Gene in sich, sind sie mit großer Wahrscheinlichkeit vor der Erkrankung geschützt.

Die verantwortlichen Gene DQ2 und DQ8 stammen aus dem HLA-Klasse-II-Komplex. Jeder Zöliakiebetroffene hat diese sogenannten Haplotypen. Nur wenn diese beiden Gene vorhanden sind, ist das Auftreten einer Zöliakie möglich. 

Ein positives Ergebnis ist keine Diagnose der Erkrankung.
Lediglich die Wahrscheinlichkeit der Entstehung erhöht sich.

Sollte die DNA-Analyse ein Risiko für Zöliakie feststellen, heißt das noch lange nicht, das eine Gluten-Intoleranz vorliegt oder sich entwickeln kann. Für Menschen mit entsprechendem Risiko ist eine bewusste Ernährung sehr wichtig, um mögliche Beschwerden früh zu erkennen und schnellstmöglich zu behandeln. Mit diesem Wissen können Beschwerden und folglich schwere Folgekrankheiten gänzlich vermieden werden.

weiterführende Literatur:

Tye-Din, J. A., Galipeau, H. J., & Agardh, D. (2018). Celiac Disease: A Review of Current Concepts in Pathogenesis, Prevention, and Novel Therapies. Frontiers in pediatrics6, 350. https://doi.org/10.3389/fped.2018.00350

Caio, G., Volta, U., Sapone, A., Leffler, D. A., De Giorgio, R., Catassi, C., & Fasano, A. (2019). Celiac disease: a comprehensive current review. BMC medicine17(1), 142. https://doi.org/10.1186/s12916-019-1380-z

Megiorni F, et al. HLA-DQ and risk gradient for celiac disease. Hum Immunol. 2009; 70: 55-59.

 

 

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